Fort Kochin:
Der suesse kleine Stadtteil ist umgeben von Wasserstrassen, die ins Meer fuehren. Die Uferpromenade ist gesaeumt mit chinesischen Fischernetzen, auf denen Fischer Tag fuer Tag im Minutentakt ihren Fang einholen. Es ist toll ihnen zuzuschauen und jedes Mal bei hochziehen des Netzes mitzufiebern. Meistens sieht man jedoch nur in entaeuschte Augen nachdem Kraftakt bei 35 Grad und praller Sonne - echt ein verdammt harter Job. Mit gemieteten Fahrraedern und Jakob auf den geraeumigen Gepaecktraegern erkundeten wir Fort Kochi und die umliegenden Stadtteile inklusive juedisches Viertel. Leider war es durchgehend 33-35 Grad, auch Nachts. Das machte uns etwas zu schaffen. Zudem gab es hier eine nicht zu uebertreffende Anzahl an Mosquitos. Trotzdem war Kochin ein schoenes Erlebnis. Vor allem Jakob hatte viel Spass auf dem Spielplatz (in Indien sehr rar), ca. 2 min. von unserem Hotel entfernt.
Alappuzha:
Dieser Ort ist das Tor zu den Backwaters, einem scheinbar unendlichen System von Kanaelen, Meeresarmen, Seen und Suempfen im Landestreifen hinter den Kuesten Keralas. Bootsfahrten auf diesen Wasserstrassen ist einer der groessten Geschaeftszweige Keralas. Auch wir wollten uns so eine gediegene Rundfahrt auf einem Hausboot nicht entgehen lassen. Direkt nach der Ankunft in Alappuzha m Busbahnhof wurden wir von einem netten jungen Typen angesprochen, ob wir nicht ein Zimmer suchen. In Indien normalerweise ein Alarmzeichen das Weite zu suchen, da das oftmals Schlepper sind die einem total ueberteuerte Zimmer vermitteln und dann die Provision kassieren. Diesmal war es aber irgendwie anders und tatsaechlich war das "Dream's Nest" ein echter Geheimtipp. Ein grosses geraeumiges Zimmer mit drei Betten fuer 250 Rupien. Dazu freundliche Besitzer in unserem Alter. Am Abend unserer Ankunft gab es eine Party. Ein Freund von Saiju dem Chef hatte Geburtstag und es wurde wild gefeiert mit Techno und Tortenschlacht. Um Acht fing alles an und um Elf war auch alles wieder vorbei, dafuer ging's heiss her... Es war echt lustig. Ein Paerchen aus der Schweiz war auch noch mit im Gaestehaus und es war schoen mal wieder ein bisschen auf deutsch zu plaudern und Traveller-Geschichten auszutauchen. Direkt neben unserem Zimmer gab es einem Rechner mit Internetanschluss - der perfekte Ausgangspunkt, um unsere weitere Reise zu planen. Wir hatten neamlich inzwischen beschlossen noch den Norden mitzunehmen und nach einer kleinen Abkuehlung in Darjeeling und Sikkim, uns in das gluehend heisse Rajasthan zu wagen, um uns mit den Eltern von Alex zu treffen, die hier einen zwei-woechigen Urlaub verbringen. Nach ca. drei Stunden Internet-Marathon spaeter war es geschafft. Wir hatten in den total ueberbuchten Zuegen Richtung Norden ein paar Tickets ergattert. Mit einer Nachtfahrt von Trivandrum, Kerala nach Chennai, Tamil Nadu, sollte es nach einem 8 stuendigen Aufenthalt direkt weitergehen nach Vijayawada, Andra Pradesh mit 3 Tagen Aufenthalt und dann weiter nach Kolkata (Calcutta), wiederum ein Tag Aufenthalt. Danach noch eine zwoelf-stuendige Tagesfahrt nach Darjeeling unserem vorzeitigem Endziel. Wir hatten also einiges vor uns - ca. 3200 km und an die 90 Stunden im Zug. Aber dazu spaeter mehr.
Nach ein paar Naechten im Dream's Nest, stellte sich heraus, dass Saiju auch Bootsfahrten vermittelte. Wir bekamen fuer 24 Stunden ein kleines gemuetliches Bambushausboot mit Schlafzimmer und Essbereich im vorderen Teil des Bootes. Mit an Board eine 3-koepfige Crew - der Koch und zwei Leute zum Steuen des Bootes. Die Bootsfahrt war ein echter Traum. Vorbeischippern an palmengasaeumten einige Meter breiten Streifen von Land, auf denen die Einwohner ihren Alltag verbringen. Jeder quadratmeter wird genutzt fuer einfache Huetten, Villen, Staelle, Tempel und Kirchen. Trotz der entspannten Bootsfahrt war es fuer uns ein seltsames Gefuehl drei "Untertan" an Board zu haben, die uns dienten. Es waere uns lieber gewesen uns auf einer Augenhoehe mit ihnen sehen zu koennen und uns mit ihnen auszutauschen. Leider war die Kommunikation auf das noetigste beschraenkt. Wahrscheinlich liegt diese Zurueckhaltung der Angestellten an der Erwartungshaltung anderer Touristen, die in solchen Situationen eine koenigliche Behandlung erwarten. Diese Erwartungshaltung konnten wir in Indien leider schon haeufig -vornehmlich von indischen Touristen- beobachten. Dieser uebertriebene Service zeigt sich auch darin, dass es selbst in den einfachsten Imbissen stark ausgepraegte Hierachieebenen gibt. Es gibt einen der die Bestellung aufnimmt, einen der den Tisch abraeumt und einen in barfuessigen und zerissenen Klamotten, der auf allen Vieren den Boden wischt. Natuerlich ist das nicht ueberall so, dennoch laesst sich dieses kastenartige System haeufig beobachten.
Nach unserer Bootsfahrt ging's mit dem Bus nach Varkala. Wir wollten ein letztes Mal den Strand geniessen vor unserer grossen Reise in den Norden.
Varkala:
Super Bucht mit roten Klippen, wunderbarem Sandstrand und sauberem Wasser. Baden, am Strand chillen und beim Abendessen den Sonnenuntergang ueber dem Meer geniessen, ahhh wie schoeeeeen! Krass war nur, dass die Strandaufsicht indische maennliche Strandspaziergaenger zurueckgepfiffen hat, sobald sie den Strandabschnitt betraten, den hauptsaechlich westliche Touristen benutzten. Die Bikini-Kultur der Touristinnen ist fuer viele indische Maenner einfach zu verlockend eine Runde zum Spannen vorbeizuschauen. Die indische Badekultur sieht naemlich eher das vollbekleidete Schwimmen vor.
Nach ausgiebigem Shopping wurde ein dickes Paket nach Hause geschickt - verpackt und zugenaeht! Mal schauen wer vorher ankommt, wir oder unsere Klamotten, Trommeln, Tuecher und Lampen...?
Mitraniketan (die Staette der Freunde):
30 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Keralas Trivandrum (Thiravananthapuram :)besuchten wir Irmi, eine alte Freundin von Philips Oma. Ihr haus steht auf dem Campus dieses sozialen Projekts, welches armen Kindern aus verschiedenen Regionen Indiens eine kostenlose Schulbildung ermoeglicht. Finanziert wird das alles durch Spenden von Partnerschulen und KOntakten aus der indischen Regierung. Ausserdem werden auf dem Campus - oder Staedtchen - verschiedene Produkte, wie Lebensmittel (lecker-schmeckere Kekse mit Schwarzkuemmel und Bananenkonfekt!), Textilien oder Moebel hergestellt, mit dessen Verkauf Geld in die Kasse fliesst. Es gibt hier sogar eine Kondomverpackungsfabrik. Alles in allem eine super Sache.
Wir verbrachten hier drei Tage und waren etwas enttaeuscht, dass gerade Schulferien waren und daher kaum Kinder da waren, was Jakob sicherlich gefreut haette. Trotzdem hat Jakob einpaar nette Kinder kennengelernt, die im Haus des Gruenders Vishnawathan wohnten, in dem wir auch 3 mal taeglich die leckere keralische Hausmannskost (eher Hausfrauskost!) geniessen konnten. Das Haus hatte eine tolle kreisfoermige, halboffene Architektur. Es war sogar ein mini 2mannfrauFilmteam da, das gerade eine Dokumentation ueber den Architekten des Hauses Laurie Baker drehte. In dem Haus konnten wir neben der netten Familie Vishnawathans auch andere Besucher bei den gemeinsamen Mahlzeiten kennenlernen. Unter anderem Susanna aus Finnland, die hier ein einmonatiges Praktikum im Marketingbereich machte. Philip brachte sich auch ein und entwarf innerhalb von einem Tag ein neues Logo fuer die Mitraprodukte. yeah!
Es war super schoen mit Irmi ueber Indien und Philips Familie zu sinnieren und etwas von ihrem Engagement fuer eine holistische Entwicklung verarmter laendlicher Regionen zu erfahren. Hauptziel ist es, die Eigenpotentiale der Bevoelkerung und Region zu foerdern und Abhaengigkeiten von Aussenstehenden (z.B. vom TATA-Konzern) zu vermeiden.
EEEEEEhhh ab in den Norden, der Kaelte hinterher...:
Wie schon beschrieben ging es Mitte April ueber Chennai, Vijayawada und Kolkata nach Darjeeling. Nach einer Nachtfahrt von Trivandrum war unser erster Stop Chennai an der Ostkueste in Tamil Nadu. Hier verbrachten wir einige Stunden bis zur Abfahrt des naechsten Zuges. Die Megastadt hat trotz ekelSmog einige nette kleine hektische Gassen zu bieten. Ausserdem konnten wir tolle Wandgemaelde von Politikern und Filmstars bestaunen. Nach nem kleinen Snacks gings weiter. Eine 8-stuendige Fahrt nach Vijayawada erwartete uns mit einer lauten aufgedrehten Reisetruppe von Maennern, die gerade auf Tempeltour war. In V. im Staat Andhra Pradesh goennten wir uns eine 2-taegige Verschnaufpause in einem Luxuszimmer mit Flachbildferseher, Sesselecke und Zimmerservice. Ergo: im Bett liegen, Fernsehglotzten, superlecker Essen aufs Zimmer kommen lassen - yammi yammi. Abends besuchten wir etwas zwischen Rummel und Messe. Jakob konnte handbetriebene Karussels fahren, Philip am Schiessstand seine Maennlichkeit unter Beweis stellen ;) und Alex ihre Weiblichkeit am Schuhstand ausleben. Es war ein echt cooles Erlebnis, weil alles voll war und es sich die Inder hier einfach gutgehen liessen. Insgesamt war Vijayawada toll, weil es eine autentische indische Stadt war ohne Tourizeugs und Schlepper. Wir haben in den drei Tagen nicht einen einzigen Weissen gesehen... Die Reise ging weiter: Nach 33 Stunden Fahrt inklusive 8 Stunden Verspaetung wegen eines Streiks der von der Oppositionspartei ausgerufen wurde kamen wir Nachts um Eins in Kolkata an. Jetzt mussten wir uns noch auf die Suche nach einem Zimmer machen. Weil wir keinen Plan und der Taxi-Fahrer uns loswerden wollte wurden wir in einer kleinen Abstellkammer einquartiert in der Philip nicht einmal stehen konnte und man vom Bett aus alle Waende beruehren konnte. Vorteil: Man kann vom Bett aus Duschen, das Licht ausschalten und die Fenster oeffnen :-) Nach dem wir am naechsten Tag ein einwandfreies schoenes Zimmer fuer den halben Preis (!) gefunden hatten, konnten wir das vibrierende und lebhafte Kolkata erkunden. Wir waren begeistert von der Atmosphaere dieser modernen und gleichzeitig altertuemlich Stadt, wo sich Frauen von Fussbetrieben Rikschas vor Boutiquen absetzen lassen und in den Nebenstrassen der Einkaufspassagen Maenner auf der Strasse duschen und Huehner geschlachtet werden. An unserem einzigen Tag in Kolkata besuchten wir das verstaubte indische Museum und chillten im grossen Park vor dem beeindruckenden Victoria Memorial. Philip spielte eine runde Fussbal mit einigen Jungs und Alex fotografierte die freilaufenden Pferde, waehrend Jakob sein Eis genoss. Am naechsten Morgen ging es frueh los weiter Richtung Darjeeling. Am Bahnhof fiel uns bei einem Blick auf das Ticket auf, das unser Zug mit den reservierten Plaetzen bereits am Tag zuvor gefahren waere. Also mussten wir uns ein Ticket fuer die zweite Sitzklasse besorgen, was bei meist ueberfuellten Zuegen und 12 Stunden Fahrt sehr unangenehm werden kann. Zum Glueck kam alles anders. Der Zug war zwar schon sehr voll, jedoch bekamen wir noch Plaetze auf den Gepaeckablagen, wo man auch wunderbar schlafen kann. Nach einigen Stunden leerten sich auch langsam die Sitplaetze unter uns, sodass wir uns hinsetzen konnten. Jakob verbrachte die Zeit mit seinem staendigen Wegbegleiter dem Malbuch und einem ausgiebigen Mittagsschlaf. Sowieso hat er die 12 Stunden mit Bravur ueberstanden. Wir konnten uns mit netten Leuten unterhalten und hielten uns mit kleinen Snacks und jeder Menge leckerem Chai und Kaffee ueber Wasser. Gegen fruehen Abend erreichten wir New Jalapaiguri dem naechstgelegenen Bahnhof zu Darjeeling. Von dort aus ging es mit dem Jeep dreieinhalb Stunden bei Dunkelheit und starkem Nebel (schien den Fahrer nicht sonderlich zu stoeren :-{ ) Kurve um Kurve den Berg hinauf. Um 22:00 Uhr kamen wir ziemlich fertig in Darjeeling an, wo wir uns abermals von unserem Fahrer eine ueberteuerte Bleibe andrehen liessen. Aber egal Hauptsache ein Platz zum Schlafen, eine Toilette und ein paar Tropfen Wasser, um sich den Reisedreck abzuwaschen. Nach dieser endlosen Odyssee, war es einfach unglaublich einen froehlichen und gluecklichen Jakob zu sehen, der sich mit grosser Freude in sein kuscheliges Bett eingrub. Immer wieder ist es Jakob, der uns zeigt, wie leicht man solche Huerden nehmen kann, wenn man nur viel Spass dabei hat.
Darjeeling:
Die neue Bleibe war super. Ein schoenes kleines Zimmer mit warmen Decken und (theoretisch) endlosem Blick auf den Himalaya. Dem Ruf der Darjeeling vorrauseilt wurde es leider bei weitem nicht gerecht. Bis auf den wirklich schoenen Zoo, der auch Jakob viel Spass gemacht hat, hatte diese Stadt nicht besonders viel zu bieten. Nachdem man die Hauptstrassen erkundet hatte, waren wir nach einigen Tagen nur noch genervt von der voellig durch Jeepabgase versschmutzten Luft und dem staendigen Nebel, der im Gegensatz zu den erhofften Berggipfeln nur die naechste Hausmauer in Sichtweite brachte. Also musste es weitergehen und zwar nach Gangtok, der Hauptstadt von Sikkim. Dazu mussten wir uns zunaechst ein Inlandsvisum holen und dann ging's auch schon weiter mit dem Jeep 6 Stunden nach Gangtok.
Gangtok und die "Indische Schweiz":
Ganktok war schoen! So schoen ruhig und komischerweise die europaeischst Anmutende Stadt in ganz Indien und das im letzten Eck, eingeklemmt zwischen Nepal, Tibet und Bhutan. Die Leute sind viel genuegsamer, Frauen tragen nicht nur Saris und Rauchen(!), man sieht Paerchen oeffentlich Schmusen und es gibt eine FUSSGAENGERZONE(!!!). Nach einigen Wochen intensives Indien eine entspannende Abwechslung.
Zu unserer Ueberraschung war es hier weitaus schwerer ein preiswertes und gutes Zimmer zu finden. Also mussten wir ein bisschen tiefer in die Tasche greifen, was sich aber auch wirklich lohnte. Wir bekamen ein Zimmer im obersten Stock mit direktem Zugang zur Terasse mit tollem Blick auf die Fussgaengerzone und Berge. Ausserdem sehr gut um Abends nachdem Jakob im Bett war, noch ein bisschen draussen zu sitzen.
Unser Plan war von hier aus eine Tour nach Nordsikkim zu unternehmen, die nur mit einer gefuehrten und organiesierten Tour moeglich ist. Die indische Regierung will wohl fuer jeden einen Babysitter, damit auch bloss keiner nach Tibet abhaut, oder so.
Leider stellte sich eine solche Tour als sehr teuer heraus, zumindest in kleiner Gruppe. Also setzten wir uns so oft wir nur konnten zum Essen oder auf einen Kaffee in die Backpackerabsteige "New Modern Central Lodge" und meldeten uns beim Hauseigenen Touroperator fuer eine 4-taegige Tour an. Das war super, denn nach zwei Tagen hatte sich bereits eine tolle Gruppe gefunden, bestehend aus einer Muencherin, einem franzoesischen Paerchen, einer Belgierin und uns. Drei Tage in Ganktok und es ging schon wieder auf Jeeptour in den Norden von Sikkim.
Schnell schlossen wir uns alle ins Herz. Die Muencherin, auch eine Alex, ist sehr lieb und herzlich und Jakob hatte sich gleich in sie verguckt. Dies beruhte auf Gegenseitigkeit und so verbrachte Jakob viele Stunden der endlosen Jeppfahrten durch traumhafte Taeler und Berglandschaften auf ihrem Schoss. Sigrid aus Belgien brachte uns alle oft zum Lachen und das Paerchen aus Frankreich verzauberte uns mit ihren Geschichten von ihrer Reise. Ihr Plan: Vier Jahre Reisen auf fast allen Kontinenten und dabei so wenig fliegen wie moeglich. Bisher waren sie mit dem Zug von Paris ueber Berlin nach Zentralasien gefahren und mussten dann aus visatechnischen Gruenden von Kasachsthan nach Dehli fliegen. Aus Indien geht's weiter nach Thailand, Laos und Kambodscha und dann mit dem Containerschiff nach Kanada zum Arbeiten und dann ueber Land nach Suedamerika - einfach unglaublich!
Das Jeepfahren ueber Strassen die keine sind war ein bisschen nervig in den vier Tagen im fernen Norden. Dafuer wurde man aber waehrend der Fahrt immer mit atemberaubenden Blicken belohnt! Zunaechst besuchten wir das Chopta Valley, wo wir neben den riesigen und schoenen Yaks spazierten und danach bei einer Familie leckeren Chai und Nudeln assen. Gefuehlte hundert Stunden im Jeep und 3 Millionen super schoene Wasserfaelle spaeter kamen wir ins Yumthang Valley, "Switzerland of India". Ein Tiefblauer Bergbach zieht sich durch das weite Tal das am Fusse eines Schneebedekten Berges endet. Zwischendrin ein uralter Zedernwald der von einer unglaublichen Fuelle an wilden Rhododendron-Bueschen durchzogen ist. Blueten in allen Farben. Der bemooste Boden ist uebersaeht mit rot-leuchtenden Blueten, dazwischen ein paar Pilze und seltsam ausssehende Pflanzen, die einen daran erinnern, dass man in Asien ist -- Kurz: Das Paradies. Spaetestens jetzt hatten sich Rueckenschmerzen und Uebelkeit der Jeepfahrten gelohnt und wir alle waren geflasht von dieser Natur, die wie ein von Menschen gepflegter Garten aussah! Dann wieder zurueck nach Gangtok und wir alle genossen noch mehrere Abende zusammen. Alex (aus Muenchen) ging an einem Tag mit Jakob alleine in den Zoo (der geschlossen hatte) und so konnten ALex und ich einen Tag zu zweit im tibetanischen Institut und drumherum verbringen. Auch fuer Jakob war es toll, der die Nase voll hat immer nur mit seinen Alten abzuhaengen...
Nach dem Norden war der Plan wieder ins heisse Indien zurueckzukehren, um nach einem kleinen Zwischenstopp in Varanasi Alex Eltern in JAipur in Rajasthan zu treffen die dort auf einer Rajasthan-Tour stopp machten.
Varanasi:
Unbeschreiblich. zumindest sehr schwer fuer uns deshalb erstmal folgendes Zitat aus dem Buch "Holy Cow" von Sarah MacDonald:
"Von all den irren, wirren, haarstraeubenden Situationen meiner spirituellen Reise durch den Subkontinent hat sich mir die heiligste Hindu-Stadt von allen am deutlichsten eingebrannt: Varanasi am Ganges.
Stromabwaerts der Kumbh Mela gelegen und Stromaufwaerts der Hoelle, zieht die Stadt die Frommen wie die Freaks an, die Sterbenden ebenso wie diejenigen, die zurueckbleiben muessen. Seelen, die von hier aus aufsteigen, kommen ohne Umwege in den Himmel.
Vor ein paar Wochen noch haben Jonathan und ich, auf einem Hoteldach hoch ueber Indiens heiligster Stadt, Wolken aus Hasch eingeatmet, gewuerzt mit einem Hauch versengten Haars und verbrennender Koerper. Zwischen den Ratten, Hunden und Strassenkindern waren wir unterwegs, die sich im Labyrinth dunkler Gassen und schmutziger, in schwarzem Schlamm verrottender Palaeste um die Abfaelle stritten. Bei Morgengrauen trieben wir in einem hoelzernen Boot an Kerzen, Blumen und menschlicher Asche vorbei, auf heiligen Wassern, in denen aufgeblaehte Leichen schwammen."
Viel besser kann man es wirklich nicht beschreiben. Auf jeden Fall eine Stadt mit sehr hohem Gaensehaut-Faktor. Die zur Kremation vorbereiteten Leichen werden von synchron schreienden Maennern, wie in Trance auf einer Trage durch die engen Gassen getragen, komplett mit Tangetis-Blueten bedeckt, ist von dem Koerper nur das Gesicht ist zu sehen und kunstvoll bemalt. Der Verkauefer am Kiosk, wo ich gerade eine Flasche Wasser kaufte beachtete den Trauerzug garnicht und schaute ungeduldig auf meine Hand mit den Scheinen, die wie ohnmaechtig an meinem Koeper hing. Zurueck im in der Realitaet wurde mir klar: das ist hier Alltag. Man sagt dieses Feuer soll seit hunderten von Jahren brennen und wenn man den Kremationsalltag mitbekommt - dutzende Feuer brennen jeden Tag - ist es schwer das nicht zu glauben...
Diese Stadt hat uns mit ihrem altertuemlichen Scharm so stark in ihren Bann gezogen, dass wir es sehr schade war nach nur zwei Naechten wieder abzureisen, wir haetten hier Wochen verbringen koennen. Aber uns stand eine grosse Fruede bevor als naechstes ging es nach Jaipur um Alex Eltern zu treffen!
Jaipur:
Als wir in Jaipur mit dem puenktlichen (Juhuuu!) Zug ankamen, waren Alex Eltern leider noch nicht in ihrem Hotel angekommen. Also suchten wir uns erstmal eine Bleibe und wurde nur zwei Minuten von dort fuendig. So hatten wir es sehr nah zu den beiden. Nach ein - zwei Stunden kam endlich der Anruf - sie sind da! Jakob war estmal sehr schuechtern, aber nach einigen Minuten Aufwaermphase, konnte er garnicht mehr aufhoeren Oma und Opa von unseren Abenteuern zu erzaehlen. Beim ueberleckeren Abendessenbuffet im Superhotel tauschten wir uns aus. Es war so schoen Peter und Sylvia zu treffen. Auch weil wir damit Deutschland wieder ein bisschen naeher waren.
Wir haben gemeinsam das Amber Fort besucht und sind dort auf einem Elefanten den Berg hochgeritten, was ganz cool war aber mit der Zeit durch die wankenden Bewegungen das Fruehstueck zu spueren brachte... Oben angekommen konnten wir eine beindruckende Fuelle hunderte Jahre alter Baukunst geniessen, mit zahllosen Wandelgaengen und einem riesigen Spiegelsaal dem mit tausenden kleinen Spiegeln dekoriert ist. Danach ging es zurueck nach Jaipur City: Shopping! Schon beim aussteigen belagerten uns dutzende Verkaeufer - Trommeln, Zigaretten, Speicherkarten, Rikschas und und und. Diesem Gewimmel zu entkommen und dabei ruhig und freundlich zu bleiben ist fast unmoeglich. Aber dafuer kann man hier tolle Sachen fuer wirklich sehr wenig Geld kaufen und dabei noch durch die "Pink City" mit dem "Palast der Winde" spazieren und am Strassenrand Alu Paratha (Kartoffelpfannenkuchen) mit Channa Masala (Kichererbsencurry) und Chai geniessen. Am naechsten Tag ging es fuer Peter und Sylvia weiter mit ihrem Bus nach Agra und auch wir hatten uns ein Zugticket gebucht um ihnen hinterherzufahren um gemeinsam das Taj Mahal zu besichtigen.
Jetzt sind wir Agra und es unertraegliche 45-48 Grad Celcius. Komischerweise spuert man die Hitze im ersten Moment garnicht so sehr. Nach ein paar Tagen jedoch merkt man es in den Knochen. Alex Eltern sind vorgestern leider schon abgereist. Vorher konnten sie mit Alex noch das Taj Mahal bei Sonnenaufgang geniessen. Philip war leider krank und hatte eine Erkaeltung. Dafuer waren Philip und Jakob am Tag darauf dort und es war es wirklich wert sich so frueh aus dem Bett zu quaelen. Erstens wegen der Temperatur, Zweitens wegen dem tollen Licht und drittens nicht soooo viele Menschen. Es ist echt komisch man kennt das Taj schon als Kind aus Buechern als eines der Weltwunder und ist es vor einem, ein Grabmahl aus Marmor. Wirklich krass und sehr schoen. Aber auch irgendwie seltsam vor einem Bauwerk zu stehen fuer das abertausende Arbeiter und Elefanten Blut und Wasser geschwitzt haben nur weil der Frau des Grossmoguls letzter Wunsch war ein prunkvolles Mausoleum fuer sie zu errichten - wie bescheiden. Dennoch einfach toll es gesehen zu haben. Aber Agra nervt. Auch hier wollen einen andauernd Shopbetreiber in ihre Laeden zerren und sind auch dann nicht zufrieden, wenn man was gekauft hat sondern wollen einem noch mehr andrehen. Deshalb und vor allem wegen der Hitze geht es morgen mit dem Zug nach Mumbai um uns die letzten paar Tage bei 33-35 Grad "abzukuehlen". Ausserdem wollen wir Elefant Island, ein paar Museen und ein Wasserfunpark besuchen. Und dann endlich good old sauberes ruhiges gutes brot und kaesspatzle habendes Germany!
Unsere Route in Indien (rund 8000km):
Komplette Karte auf Google Maps
Liebe Gruesse von Euren Indern und bis bald!
6 Kommentare:
WOHOO! Beeindruckende Erlebnisse!
Und Ihr erzählt so toll - hat mich eben sogar bei der Arbeit total die Zeit vergessen lassen.
Schön, daß Ihr Euch nochmal meldet, bevor es wieder auf Heimreise geht. Genießt die letzten Tage...
Wir freuen uns riesig auf Euch!!!
Liebe Grüße nach Mumbai. H.
Hallo meinelieben
helen hat recht, das gleiche habe ich auch gedacht; man kann sich alles in bildern vorstellen wenn man den text ließt;Ich muss euch ein kompliment machen ich habe das gefühl ihr habt euch beim verfasssen echt gesteigert.+++ Und jedes foto ein schmaus für die augen.
ich freue mich schon auf die weiteren - zigtausenden - fotos von euch.Ich glaube es ist nicht all zu schwer schöne motive zu finden.
Ach so euer päckchen ist doch vor euch angekommen, bereits am 11. mai; mama meine die verpackung
sieht ganz lustig aus, so weich und rund.
nur noch sieben tage, juhu, ich freue mich auf euch und auf eure geschichten.
Aber ich warne euch, so schön sauber und kühl deutschland auch sein mag, das erste was mama und papa dachten als sie zurück waren, und das kann ich mir sehr gut vorstellen - war LANGEWEILE. leere Strassen und bei weitem nicht so schön bunt- aber man gewöhnt sich ja an alles.
Tschauuuuu
ja vor langeweile haben wir auch schon ein bisschen angst. die wahrnehmnung veraendert sich naemlich echt in so ner langen zeit.
waehrend mir mumbai bei unserer anreise hektisch ueberfuellt , voller menschen, die auf der strasse leben, schmutzig und voller saritragender inderinnen vorkam, wirkt mumbai nun total mdern, blitzeblank, ruhig, wie ein entspannter urlaubsort am mittelmeer auf mich. mumbai, zumindest der schicke sueden! ist naemlich im vergleich den meisten anderen staedten in indien wirklich super modern.
ich nehme an, dass mir kirchheim wie ein deutsches dorf in disneyland vorkomen wird. so sauber und surreal, dass es nr eine fassade sein muss. hoffentlich haben wir genug hektik im haus! bis sehr bald, eure schwitzenden freunde. alex
Hallo ihr drei,
wir liegen gerade hier an einem faulen Sonntag im Bett und ich habe Teresa alles vorgelesen und wir haben die Bilder angeschaut. Wir sind beide total hingerissen, Es ist echt toll, wie ihr schreibt. Man kann sich zusammen mit den Bildern wirklich gut vorstellen, wie es euch geht.
Wir vermissen euch ganz arg und Jakob sieht aus, als wäre er noch mal um ein paar Meter gewachsen. Er hat sich bestimmt arg verändert. Bin echt mal gespannt, ob er sich, wenn er älter ist, an die Reise erinnern können wird.
Hier erwartet euch ein geordnetes und ruhiges Deutschland. Ihr kommt ja gerade rechtzeitig zur WM. Am 11.6. ist das Eröffnungsspiel und am Sonntag spielt dann Deutschland zum ersten Mal.
Ansonsten werden gerade in ganz Europa riesige Sparpakete vorbereitet, um die riesigen Schuldenberge der EU abzubauen (mittlerweile etwas 9 000 000 000 000 Euro). Griechenland wurde gerade in letzter Sekunde vor dem Staatsbankrott gerettet. Und auch Spanien und Portugal schlittern am Bankrott entlang. Überall entwickeln sich große Bewegungen gegen die Sparpläne der Regierungen, die - wen wundert es - vor allem Einsparungen im sozialen Sektor vorsehen. Aber eine gut Nachricht gibt es: Roland Koch wird sich aus der Politik zurück ziehen : ). Wahrscheinlich bekommt ihr das ja sowieso alles mit.
Auf jeden Fall freuen wir uns total euch wieder zu treffen! AM 19./20.6. sind wir in Monnem.
Ganz liebe Grüße von Teresa und Hannes
Ihr lieben abenteuerlustigen Indienreisenden, ich kann den anderen nur beipflichten. Ihr beschreibt wirklich wunderbar eure Eindrücke und Erlebnisse und immer wenn ich denke - achduhjeeeh - wird das aufgehoben von einem Bild oder eurem oder Jakobs offenem Umgang mit der Situation. Sehr spannend. Euer Blick auf alles hat sich wohl sehr verändert, das, was ihr schreibt über eure Eindrücke von Mumbai am Anfang und jetzt ist schon sehr erstaunlich. Ich bin gespannt, wie es mal für Anton und mich sein wird, wenn wir mal vielleicht irgendwann in Indien sein sollten. Ich freu mich riesig, euch am Freitag mit Leberwurst, Käse und Graubrot zu empfangen. Ich bin auch gespannt auf Jakobs geniale Frisur, die ja in Indien anscheinend gerade in ist (s. Bild). Hier hat es gerade wieder mal aus Kübeln gegossen, der Hof ist überschwemmt, ansonsten herrscht Sonntagsruhe.
Seid umarmt von A. und A.
Hi leute,
danke fuer eure lieben kommentare! @hannes: das groebste kriegen wir mit, unsere kuenftige mitbewohnerin ist gerade mit jakobs bestem freund in griechenland zum mitdemonstrieren. und nach koch jetzt auch noch koehler, ja! aber danke fuer die news. ich freu mich schon euch zu sehen super dass ihr in ma seid, das we auf jeden nicht zu vollpacken - immerhin muesst ihr den weiten weg nach hd auf euch nehmen (ihr seid hiermit zwangsmaessig eingeladen)! ich muss auch schon an eure superparty denken und dann wir so: freufreu. super filmchen uebrigens!
bin hier in mumbai gerade noch am buecherlaeden durchstreifen nach designbuechern und levis fuer 10 euro kaufen und ich so: Ja! Ansonsten bald Deutschland!
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